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Handy-Standort und Werbe-ID: was Apps über deine Wege weitergeben
Ortungsrechte, Werbebausteine, Werbeauktionen und Datenhändler — und was du an Android und iPhone selbst einstellst und prüfst
Geprüft am 24. Oktober 2026 · etwa 10 Minuten Lesezeit
Kurz gesagt
Den genauen Standort bekommt eine App nur mit deiner Erlaubnis — doch eingebaute Werbebausteine fremder Firmen können diese Erlaubnis mitnutzen. Über sie und über Werbeauktionen können Standorte samt Werbe-ID, einer Nummer deines Handys für Werbung, an viele Firmen gehen; Datenhändler verkaufen solche Daten weiter. Der wichtigste Hebel ist die Ortungserlaubnis je App: nur wo nötig, nur während der Nutzung, wo möglich ungefähr. Werbe-ID löschen oder Tracking ablehnen nimmt die einfachste Verknüpfung weg, nicht die grobe Ortung über die IP-Adresse. Was nach der ersten Verbindung einer App geschieht, zeigt dir kein Werkzeug auf dem Handy.
Was dein Handy über deine Wege erfasst
KI-generiertes SymbolbildEine App, die dich „immer“ orten darf, kann deinen Standort auch dann erfassen, wenn das Handy unbeachtet auf dem Tisch liegt.
Dein Handy ortet sich über Satelliten (GPS), WLAN-Netze, Bluetooth — auch über kleine Funksender, sogenannte Beacons — und Mobilfunkmasten; so beschreiben es Google und Apple. Eine App bekommt diesen Ort nur mit deiner Erlaubnis, und die hat Stufen: nie, jedes Mal, während der Nutzung oder immer, also auch im Hintergrund — dazu genau oder ungefähr. „Ungefähr“ heißt unter Android ein Gebiet von etwa drei Quadratkilometern, „genau“ meist auf etwa 50 Meter.
Ohne Erlaubnis bleibt die grobe Gegend aus deiner IP-Adresse; wie grob, erklärt Was deine IP-Adresse verrät — und wie genau der Ort ist. Auch die Android-Erlaubnis „Geräte in der Nähe“ berührt den Ort: Bluetooth-Geräte in der Umgebung können laut Google auf deinen Standort hinweisen. Und Fotos tragen Orte, wenn die Kamera den Aufnahmeort speichert.
Dazu kommt die Werbe-ID, eine Nummer, die das Betriebssystem für Werbung vergibt, unter Android über die Google-Play-Dienste, auf dem iPhone als IDFA. Jede App, die sie abfragen darf, sieht dieselbe Nummer; darüber lassen sich Standorte aus verschiedenen Apps einem Gerät zuordnen.
Wohin deine Standorte gehen
Der Weg eines Standorts aus einer App mit Werbung
Dein HandyGibt den Ort nur an Apps mit Ortungserlaubnis; die IP-Adresse geht bei jeder Verbindung ohnehin mit.
App-AnbieterSeine App bekommt den erlaubten Standort und die Werbe-ID, auf dem iPhone nur mit deiner Erlaubnis. Was der Anbieter damit macht, siehst du nicht.
Werbebausteine in der AppNur wenn die App Bausteine fremder Firmen enthält: Sie laufen mit den Rechten der App, nutzen also deren Ortungserlaubnis mit und können direkt an ihre eigene Firma senden.
WerbeauktionSobald die App einen Werbeplatz füllen will, geht eine Gebotsanfrage an viele Firmen, auch an die, die nicht gewinnen. Der Branchenstandard OpenRTB sieht darin Werbe-ID, IP-Adresse und Koordinaten samt Genauigkeit in Metern vor.
DatenhändlerFalls ein Empfänger die Daten speichert und weiterverkauft: Über die Werbe-ID entstehen Bewegungsverläufe einzelner Geräte, wahrscheinlich teils ohne Wissen der App-Anbieter.
KäuferWenn jemand einen Datensatz kauft, kann er Wege einzelner Geräte nachzeichnen. Laut netzpolitik.org und BR nutzte auch ein Landeskriminalamt solche Daten, auf umstrittener Rechtsgrundlage.
Verschlüsselte Verbindungen schützen nur die Strecke: Jede Station bekommt die Daten lesbar, die Werbe-ID laut OpenRTB unverschleiert, und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hilft nicht, denn die Empfänger sollen sie ja lesen. Was hilft, ist Verarbeitung auf dem Gerät: Googles Zeitachse liegt seit der Umstellung (angekündigt 12.12.2023) auf dem Handy, Apples „Wichtige Orte & Routen“ sind laut Apple Ende-zu-Ende-verschlüsselt — für Apps gilt beides nicht.
Bekannte Fälle
Fälle zu Standortdaten aus Apps, Stand 24.10.2026
Wann
Was geschah
Stand
Stellungnahme
16.07.2024 Databroker Files: Milliarden Standorte aus Deutschland
netzpolitik.org und BR erhielten von einem US-Datenhändler über einen Berliner Marktplatz kostenlos 3,6 Milliarden Standortpunkte aus Deutschland zu rund 11 Millionen Werbe-IDs (laut Redaktion nicht gleich so vielen Menschen), darunter Standorte in zehn Fachkliniken für Psychiatrie und Sucht. Eine zweite Probe mit Bezug zu rund 40.000 Apps stammte größtenteils aus Werbeauktionen, viele Orte aus IP-Adressen (15.01.2025). Bis Oktober 2026 lagen der Redaktion über fünf Milliarden Standortdaten aus Deutschland vor. Quelle: netzpolitik.org mit BR: Databroker Files: Firma verschleudert 3,6 Milliarden Standorte von Menschen in Deutschland (16.07.2024) ↗
Stand unbekannt
Laut netzpolitik.org antworteten Händler und Marktplatz 2024 nicht; der Marktplatz sagte einem niederländischen Sender: „Wir selbst verkaufen keine Datensätze.“ Eine Behördenentscheidung gegen beide wurde nicht gefunden (Stand 24.10.2026).
04/2026 Hamburg: Dating-App gab genaue Standorte weiter
Laut Tätigkeitsbericht 2025 der Hamburger Datenschutzbehörde nutzten Werbedienste in einer Dating-App deren Ortungserlaubnis. Genaue Standorte gingen über Werbeauktionen an Werbepartner, obwohl keine Einwilligung vorlag; die Weitergabe war voreingestellt und lief selbst nach Entfernen des vorausgewählten „Akzeptieren“ weiter. Laut Behörde ist das unterbunden; laut netzpolitik.org liefen die Untersuchungen am 09.04.2026 noch. Quelle: HmbBfDI: 34. Tätigkeitsbericht Datenschutz 2025, Kap. II.3 (2026) ↗
Offen
Die Behörde nennt die App nicht. Keine öffentliche Stellungnahme gefunden (Stand 24.10.2026).
04/2026 NRW: Bußgeldverfahren gegen einen App-Anbieter
Laut Landesdatenschutzbeauftragter NRW gab ein Unternehmen über Jahre Standortdaten aus seiner App ohne wirksame Rechtsgrundlage zu Werbezwecken an Dritte; 2025 leitete sie ein Bußgeldverfahren ein. Laut netzpolitik.org (07.04.2026) geht es um WetterOnline; ein Bußgeld ist bis 24.10.2026 nicht bekannt. Quelle: LDI NRW: 31. Bericht (Berichtszeitraum 2025), Kap. 5.1 (2026) ↗
Offen
Die Behörde nennt keinen Namen. Laut netzpolitik.org erklärte WetterOnline im Juni 2025, GPS-Daten seien nie „verkauft“ worden, und schrieb schon im Februar 2025 in seine Einwilligungsabfrage, es verarbeite GPS-Daten nur „für Wetterinformationen und nicht für Werbezwecke“. Eine Anfrage im April 2026 blieb unbeantwortet.
21.09.2026 Irland: 403 Millionen Euro Bußgeld gegen Google
Laut LTO und dpa verweist Google auf frühere Praktiken, die seit 2019 überarbeitet seien. Ob Google Rechtsmittel einlegt, ist nicht bekannt (Stand 24.10.2026).
Die deutschen Fälle zeigen den Weg über Werbedienste und Auktionen, auch bei verbreiteten Apps. Deutsche Aufsichtsbehörden zweifeln an vielen Einwilligungen dafür; die Berliner Datenschutzbeauftragte nennt den Verkauf an Datenhändler in den meisten Fällen unzulässig. Über heutige Fassungen einzelner Apps sagen die Fälle nichts.
Was du einstellen kannst
Die Wege stammen aus den Hilfeseiten von Google (abgerufen 24.10.2026) und Apple (Stand Dezember 2025 bis September 2026); manche gelten laut Google nur auf Pixel-Geräten genau so. Findest du einen Punkt nicht, hilft das Suchfeld der Einstellungen.
Wenn dich jemand gezielt ortet
Vermutest du, dass dich jemand aus deinem Umfeld ortet, halte erst fest, was du siehst, und lies „Wird mein Handy überwacht?“, bevor du etwas abschaltest — Abschalten kann die Person warnen. Bei akuter Gefahr: Notruf 110.
Ortung und Werbe-ID einstellen
Was
Android
iPhone
Ortung je App
Einstellungen › Standort › „Berechtigungen zur Standortermittlung“ › App: „Zugriff nur während der Nutzung der App zulassen“ oder „Nicht zulassen“
Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Ortungsdienste › App: „Beim Verwenden der App“ oder „Nie“
Nur ungefährer Ort
dort „Genauen Standort verwenden“ ausschalten
dort „Genauer Standort“ ausschalten
Werbe-ID
Einstellungen › Datenschutz › Werbung › „Werbe-ID löschen“, oft auch unter Einstellungen › Google › Alle Dienste › Datenschutz & Sicherheit › Werbung
Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Tracking › „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ ausschalten und bisher erlaubte Apps auffordern, das Tracking zu beenden
Werbeschalter des Systems
„Datenschutz bei Werbung“: Wirkung offen, die Technik dahinter soll laut Google auslaufen
Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › Apple-Werbung › personalisierte Werbung ausschalten (nur Apples eigene Werbung)
Ortsverlauf
Google-Zeitachse (ab Werk aus): in „Meine Google-Aktivitäten“ ausschalten oder löschen
in den Einstellungen der Kamera-App abschalten (Name je Gerät verschieden)
Ortungsdienste › Kamera › „Nie“; beim Teilen unter „Optionen“ den Standort abwählen
Ortung ohne GPS
Standort › Standortdienste › „WLAN-Suche“, „Bluetooth-Suche“ und „Standortgenauigkeit verbessern“ ausschalten
in den Hilfeseiten nicht beschrieben
Was es kostet: ungenauere Navigation und Unwetterwarnungen, häufigere Nachfragen, kein Rückblick auf eigene Wege, Fotos ohne Ort fehlen in der Kartenansicht, Werbung passt weniger. Notrufe können den Standort laut Google trotzdem übermitteln.
Wo es endet: Was eine App mit erlaubten Standorten tut, ändert keine Systemeinstellung. Gegen Ortung über die IP-Adresse, eigene Kennungen der Apps und Wiedererkennung über Gerätemerkmale (Fingerprinting) hilft auch eine gesperrte Werbe-ID nicht. Eine Studie von 2022 untersuchte 1.759 iPhone-Apps aus dem britischen App Store und fand auch nach Apples Tracking-Abfrage Fingerprinting.
In den Apps: Einwilligungen in Werbung ablehnen oder widerrufen, ungenutzte Apps löschen. Manche Apps verlangen dann ein Abo, und im Hamburger Fall einer Dating-App lief die Weitergabe trotz entferntem „Akzeptieren“ weiter.
Ein VPN oder iCloud Privat-Relay (Teil von iCloud+, ab 0,99 Euro im Monat) verbirgt nur deine IP-Adresse, Privat-Relay laut Apple vor allem in Safari; gegen Apps mit Ortungserlaubnis hilft beides nicht, und einem VPN-Anbieter musst du vertrauen.
Warum der Hauptschalter auf dem iPhone zählt
Laut Apple zeigen Apps in Deutschland ab iOS 27.2 eine neu gestaltete Tracking-Abfrage und dürfen in der EU ein Jahr nach deiner letzten Entscheidung erneut fragen, auch nach einer Ablehnung — außer „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ ist aus. Der Schalter heißt in der EU dann anders; der deutsche Name ist offen. Grundlage sind laut Apple Vereinbarungen mit europäischen Wettbewerbsbehörden, darunter dem Bundeskartellamt (Beschluss vom 13.08.2026). iOS 27.2 war am 24.10.2026 noch nicht erschienen.
Selbst prüfen
Prüfliste fürs Handy
Die Häkchen werden nicht gespeichert und nicht übertragen. Ausdrucken kannst du die Liste über den Druckdialog deines Browsers. Alle Punkte für alle Geräte: Prüfliste fürs Zuhause.
iPhone: Einstellungen › Datenschutz & Sicherheit › „App-Datenschutzbericht“ einschalten (ab iOS 15.2). Er zeigt für sieben Tage, welche Apps auf Ortung, Kamera und Mikrofon zugriffen und welche Internetadressen sie ansprachen.
Android: Einstellungen › „Sicherheit und Datenschutz“ oder „Datenschutz“ › „Privatsphäredashboard“ zeigt Zugriffe auf Standort, Kamera und Mikrofon, unter Android 12 für 24 Stunden, ab Android 13 für sieben Tage.
Am iPhone zeigt ein Pfeil in der Statusleiste die Ortung an, eine blaue Markierung die Ortung im Hintergrund.
Store-Angaben zum Datenschutz sind Selbstauskünfte der Entwickler; eine Prüfung auf Richtigkeit sagen Google und Apple nicht zu. Exodus Privacy zeigt bekannte Werbebausteine in Android-Apps, nicht aber, ob sie senden.
Was du nicht siehst: an wen Werbedienste Daten auf ihren Servern weiterreichen. Ob deine Werbe-ID gehandelt wurde, lässt sich nicht online prüfen — der Databroker-Checker von netzpolitik.org ist seit dem 08.07.2026 abgeschaltet, ein Ersatz ist nicht bekannt.
Was in Deutschland gilt
Liest eine App die Werbe-ID aus oder lässt ein Baustein Daten vom Handy senden, braucht das nach § 25 TDDDG (seit 01.12.2021) eine Einwilligung, außer es ist für den gewünschten Dienst unbedingt erforderlich. Die deutschen Aufsichtsbehörden nennen Werbe-IDs ausdrücklich als Fall dieser Regel; dass Werbung das Geschäftsmodell trägt, begründet keine Ausnahme. Zu Einwilligungsbannern siehe Wie Cookies dich über Websites hinweg verfolgen.
Standorte zu einer Werbe-ID sind in aller Regel personenbezogene Daten (Art. 4 Nr. 1 DSGVO, anwendbar seit 25.05.2018). Eine Einwilligung ist jederzeit widerrufbar, und das muss so einfach gehen wie die Erteilung (Art. 7 Abs. 3); der Nutzung für Direktwerbung lässt sich widersprechen (Art. 21 Abs. 2). Dazu kommen das Recht auf Auskunft über Daten, Empfänger und Herkunft (Art. 15; so geht es) und die Beschwerde bei der Datenschutzaufsicht (Art. 77), für Unternehmen meist die des Landes.
Wofür diese Angaben gelten
Für Android und iPhone in Deutschland, Stand 24.10.2026; Android 16 und 17, Geräte anderer Hersteller und iOS 27 können abweichen.
HexWarte misst hier nichts: Es sieht keine App auf deinem Handy und liest keine Werbe-ID. Ein Häkchen in der Prüfliste ist deine Angabe, kein Messwert.
Was dieser Artikel nicht sagt
Dieser Steckbrief bewertet keine App und empfiehlt keinen Hersteller; Namen belegen nur Verfahren, Menüwege und Angaben der Hersteller.
Ob deine Standorte gehandelt wurden, beantwortet dieser Steckbrief nicht; ein Werkzeug dafür ist nicht bekannt.
Geprüft am 24. Oktober 2026. Die Einordnung ist eine fachliche Bewertung, keine Rechtsberatung. Einen Fehler gefunden? Die Kontaktdaten stehen im Impressum.