Kurz gesagt
Ob dein Handy überwacht wird, zeigt kein Tastencode: *#21# oder *#62# fragen nur Rufumleitungen beim Netzbetreiber ab. Knacken ist kein Anzeichen, ein leerer Akku nur ein schwaches; das häufigste Zeichen ist, dass jemand weiß, was er nicht wissen kann. Dahinter stecken laut dem Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sehr selten versteckte Spionage-Apps mit vielen Funktionen, öfter Konto-Zugänge, Familienfreigaben, Ortungs-Apps und untergeschobene Ortungsanhänger — vieles davon kannst du selbst prüfen. Schutz-Apps finden Spähsoftware nur zum Teil. Warnungen vor fremden Ortungsanhängern kommen verzögert, nur bei kompatiblen Modellen und können ausbleiben, wenn die Person mit dir wohnt oder fährt; ein leerer Suchlauf schließt nichts aus. Lösch nichts überstürzt, das kann den Täter warnen; hol dir erst Rat, etwa beim Opfer-Telefon 116 006 oder Hilfetelefon 116 016, bei akuter Gefahr unter 110.
Was *#21# und andere Codes wirklich zeigen
Bevor du weiterliestWird dein Handy überwacht, kann auch dieser Besuch auffallen, im Browserverlauf oder über Bildschirmaufnahmen einer Spähsoftware. Lies die Seite möglichst auf einem Gerät, auf das die andere Person keinen Zugriff hat. Bei akuter Gefahr: Notruf 110.
Keiner dieser Codes zeigt Spionage-Apps, Konto-Zugänge, Freigaben oder Ortungsanhänger; ein echter Befund wäre nur eine fremde Nummer als Umleitungsziel — halte sie fest, bevor du löschst. Knacken oder Rauschen nennen Polizei und Fachverbände nicht als Anzeichen, und behördliches Abhören muss laut § 5 Abs. 4 TKÜV für niemanden feststellbar sein.
Welche Anzeichen etwas taugen
Ein schnell leerer Akku, hoher Datenverbrauch oder ein warmes Gerät können auf eine Spionage-App hindeuten, sind laut Polizei aber „noch kein Beweis“ und können laut bff ganz fehlen. Am häufigsten verrät sich Überwachung laut Fachbündnis Coalition Against Stalkerware am Verhalten der überwachenden Person. Polizei und bff nennen etwa: Sie weiß Dinge, die sie nicht wissen kann, oder taucht auf, wo du gerade bist.
Dahinter steckt laut bff sehr selten eine versteckte Spionage-App mit großem Funktionsumfang. Häufiger sind gestohlene Passwörter, heimliche Anmeldungen in der Cloud, Familienfreigaben, Apps mit Ortungsfunktion und untergeschobene Ortungsanhänger.
Spionage-Apps und was Schutz-Apps finden
Spähsoftware (Stalkerware) braucht meist einmal das entsperrte Handy. Unter Android kommt sie meist von außerhalb des Play Store, oft mit der Anleitung, den eingebauten Schutz Play Protect abzuschalten, und versteckt dann ihr Symbol. Auf dem iPhone ist sie wahrscheinlich deutlich seltener, weil sie die Schutzsperren aushebeln muss (Jailbreak); ein Täter kann aber ein präpariertes iPhone verschenken.
Im Test von AV-Comparatives mit der Bürgerrechtsorganisation EFF (Android 15, 2025) erkannten 13 Schutzprodukte, darunter Play Protect, zwischen 53 und 100 Prozent von 17 Spähprogrammen; Play Protect fand 9 davon. Meist kam nur ein allgemeines „Malware detected“, sofort sichtbar, auch für jemanden, der mitliest. Am iPhone können Apps laut Apple nicht auf die Daten anderer Apps zugreifen, also auch nicht nach Spähsoftware suchen. Konten, Freigaben und Ortungsanhänger prüfte der Test nicht. Such mit einer Schutz-App deshalb erst nach einem Gespräch mit einer Beratungsstelle.
Erst die eigene Sicherheit, dann prüfen
Bevor du etwas löschst oder abschaltestEntfernen, Abschalten und schon die Warnung einer Schutz-App können die überwachende Person alarmieren und die Gefahr erhöhen; Löschen vernichtet Beweise. Polizei, bff und Coalition Against Stalkerware raten: erst dokumentieren und mit einer Beratungsstelle einen Sicherheitsplan machen, dann entfernen, zurücksetzen oder das Handy tauschen.
Sprich über deinen Verdacht nicht über das vielleicht überwachte Handy, sondern etwa vom Gerät einer Freundin. Notiere Datum, Uhrzeit und was die Person wusste oder wo sie auftauchte; ein Muster kann auf den Weg deuten. Bildschirmfotos landen am iPhone in „Fotos“, womöglich in einer geteilten Cloud. Merkt die Person das Dokumentieren, kann das laut bff die Gewalt verschärfen. Beweise lagerst du laut Polizei möglichst nicht zu Hause.
Hilfe bekommen — bei akuter Gefahr Notruf 110- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ — Telefon 116 016 · hilfetelefon.de ↗Berät Frauen, die Gewalt erleben, und Menschen aus ihrem Umfeld — am Telefon rund um die Uhr, kostenlos und auf Wunsch anonym, auch in 18 Fremdsprachen und in Gebärdensprache; online auf Deutsch.
- Hilfetelefon Gewalt an Männern — Telefon 0800 1239900 · maennerhilfetelefon.de ↗Berät Männer, die Gewalt erleben, kostenlos und anonym — am Telefon montags bis donnerstags 8 bis 20 Uhr und freitags 8 bis 15 Uhr, dazu im Chat zu festen Zeiten.
- WEISSER RING: Opfer-Telefon — Telefon 116 006 · weisser-ring.de ↗Hilft Opfern von Straftaten bundesweit, kostenfrei und anonym — am Telefon täglich von 7 bis 22 Uhr, außerdem über eine Onlineberatung.
- bff Frauen gegen Gewalt: Hilfe vor Ort · frauen-gegen-gewalt.de ↗Findet Beratungsstellen in deiner Nähe nach Postleitzahl oder Ort, auch nach Schwerpunkt wie digitaler Gewalt oder Stalking und nach Sprache; die Seite hat einen Notausstieg.
Selbst nachsehen: Freigaben, Konten, Verwaltung
Sieh zuerst nur nach. Was du beendest oder löschst, kann die andere Person bemerken, mit einer Spionage-App womöglich schon das Nachsehen. Wie du fremde Geräte später abmeldest und Passwörter wechselst, steht in Konto oder Gerät gehackt? Die ersten Schritte.
Die Sicherheitsprüfung (ab iOS 16, mit Zwei-Faktor-Authentifizierung) zeigt Freigaben an Personen und Apps; „Schnell verlassen“ schließt sie sofort. Konten anderer Anbieter erfasst sie nicht, und ihr „Notfall-Reset“ beendet alle Freigaben auf einmal — bemerkbar, also nur mit Plan. Verknüpfte Computer zeigt ein Messenger in seinen Einstellungen, bei Signal unter „Gekoppelte Geräte“.
Zum Abhaken: was du an Handy und Konto angesehen hast
Die Häkchen werden nicht gespeichert und nicht übertragen. Ausdrucken kannst du die Liste über den Druckdialog deines Browsers. Alle Punkte für alle Geräte: Prüfliste fürs Zuhause.
Ortungsanhänger: wann das Handy warnt und wann nicht
Seit Mai 2024 warnen iPhones ab iOS 17.5 und Android-Handys ab Android 6.0 vor fremden Ortungsanhängern (Bluetooth-Trackern), die sich mit dir bewegen, auch vor solchen der anderen Plattform. Android sucht zusätzlich auf Knopfdruck und kann einen Fund klingeln lassen, ohne dass der Besitzer es erfährt; fürs iPhone beschreibt Apple keine solche Suche.
- Die Warnung kommt verzögert, vor einem AirTag laut Apple nur, wenn er nicht in der Nähe seines Besitzers ist — wohnt oder fährt die Person mit dir, kann die Warnung deshalb ausbleiben.
- Im Flugmodus warnt das iPhone nicht; den Besitzer hindert das laut Google nicht am Orten.
- Erfasst sind nur kompatible Modelle. Tile und Samsung nennt Googles Warnseite nicht; ihre Suchen in der Tile-App bzw. in SmartThings (nur auf Samsung-Handys) startest du selbst, und die von Tile findet laut Tile keine Anhänger im Diebstahlschutzmodus.
- Warnungen vor GPS-Trackern mit SIM-Karte beschreiben Apple und Google nicht. Ein leerer Suchlauf schließt also nichts aus; such auch Taschen, Jacken und Auto ab.
Ist dein Handy womöglich selbst überwacht, rät der bff zur kostenlosen Android-App AirGuard der TU Darmstadt auf dem Handy einer Vertrauensperson. Einen Fund hältst du per Bildschirmfoto samt Eigentümerangaben fest. Abschalten erst nach einem Gespräch mit Beratung oder Polizei: Manche Anhänger setzen sich dabei zurück und sind dann nicht mehr mit ihrem Besitzer verknüpft. Wirst du im Auto verfolgt, fahr laut Polizei zur nächsten Polizeidienststelle.
Was das Recht sagt
Seit dem 01.10.2021 kann auch digitales Ausspähen eine Nachstellung (Stalking) sein (§ 238 StGB), mit einem Ausspähprogramm in der Regel ein besonders schwerer Fall mit höherer Strafe. Nachstellung verfolgen Polizei und Staatsanwaltschaft auch ohne Strafantrag, das Ausspähen von Daten dagegen grundsätzlich nur auf Antrag, binnen drei Monaten ab Kenntnis von Tat und Täter (§§ 202a, 205, 77b StGB).
Das Familiengericht kann nach § 1 Gewaltschutzgesetz auf Antrag Kontaktverbote erlassen, auch für Anrufe und Nachrichten. Geplant, aber nicht in Kraft ist ein eigener Straftatbestand gegen heimliche Überwachung, etwa per Ortungsanhänger oder Spähsoftware (§ 202e StGB im Regierungsentwurf, Kabinettsbeschluss vom 07.10.2026). Bis dahin ist heimliches Orten nicht automatisch straflos: Viele Fälle sind laut Bundesjustizministerium schon heute strafbar, etwa als Nachstellung; nicht eindeutig ist die Lage zum Beispiel, wenn jemand einen Ortungsanhänger oder GPS-Tracker nur einmal versteckt. Ob ein Fall strafbar ist, klären Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht.
Ein Beispiel: Mara und ihr Ex-Partner
Mara hat sich getrennt. Ihr Ex-Partner taucht in ihrem Stammcafé auf und spielt auf eine Nachricht an ihre Schwester an. *#62# zeigt nur ihre Mailbox.
- Vom Handy einer Freundin ruft sie das Hilfetelefon an. Der Rat: Protokoll führen, nichts löschen.
- In der Sicherheitsprüfung sieht sie nur nach: Ihr Standort ist in „Wo ist?“ noch mit ihm geteilt, und in ihrer Geräteliste steht sein altes iPad, das ihre Nachrichten empfängt.
- Sie fotografiert beides mit dem Handy der Freundin und plant mit einer Beratungsstelle, wann sie Freigabe und iPad entfernt und ihr Passwort ändert, denn er kann es merken.
Wofür diese Angaben gelten
- Für Deutschland, Stand 24.10.2026, mit Menüwegen aus den Hilfeseiten der Hersteller; unter Android heißen Menüs je nach Hersteller anders, dann hilft das Suchfeld der Einstellungen.
- Für Wege im Alltag, nicht für gezielte Angriffe mit teurer Söldner-Spähsoftware, die laut Apple sehr wenige Menschen treffen.
- Nicht als Messung: HexWarte prüft kein Gerät und kann nicht feststellen, ob dein Handy überwacht wird. Was der Browser-Einblick zeigt, etwa zur Standortfreigabe im Browser, sagt nichts über Apps; ein Häkchen in der Prüfliste ist deine Angabe, kein Messwert.
Was dieser Artikel nicht sagt
- Keine Einzelfall- und keine Rechtsberatung: Ob du überwacht wirst und ob etwas strafbar ist, klären Beratungsstellen, Polizei und Gerichte.
- Bewusst ohne Namen von Spähsoftware, ohne Rangliste der Schutz-Apps; die Testzahlen gelten nur für 17 Programme unter Android 15. Wie viele Handys überwacht werden, ist unbekannt.
- Rechner behandelt der Artikel nicht, obwohl es Spähsoftware laut Fachpresse auch für Windows und Mac gibt; getarnte Kameras stehen in Getarnte Spionagegeräte: was in Deutschland verboten ist.
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In der Prüfliste fürs Zuhause abhaken, was du an Handy und Konten schon angesehen hast →Passende Artikel
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Geprüft am 24. Oktober 2026. Die Einordnung ist eine fachliche Bewertung, keine Rechtsberatung. Einen Fehler gefunden? Die Kontaktdaten stehen im Impressum.