Kurz gesagt
Sichere zuerst das Konto, nicht das Gerät: Laut US-Handelsbehörde FTC (2023) kamen Täter mit erbeuteten oder erratenen Passwörtern in rund 55.000 US-Kundenkonten eines Kameraherstellers. Handle von einem anderen Gerät aus: Belege sichern, das E-Mail-Postfach zuerst, dann alle Passwörter ändern, alle Geräte abmelden, geteilte Zugänge entfernen, die Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten; zurücksetzen, wenn überhaupt, erst zuletzt. Bei akuter Gefahr wähle 110; bedroht dich jemand aus deinem Umfeld, hol dir vorher Beratung.
Worum es geht
Diese Anleitung hilft, wenn Fremde deine Kamera, Klingel, deinen Lautsprecher oder Saugroboter zu nutzen scheinen: eine fremde Stimme, ein Roboter, der von selbst fährt, unbekannte Anmeldungen, ein Passwort, das nicht mehr passt. Ob dein Smartphone selbst überwacht wird, behandelt ein eigener Artikel.
Belegt sind drei Wege hinein: dein Konto, ein Fehler in der Cloud des Herstellers oder eine Lücke im Gerät. So konnte 2026 laut einem Forscher bei einem Anbieter von Kameras und Babyfonen jedes kostenlose Konto Meldungen fremder Geräte mitlesen, ohne die Passwörter der Besitzer zu kennen; ob das behoben ist, ist unbekannt (Stand 24.10.2026). Gegen den ersten Weg hilft ein gesichertes Konto, gegen den zweiten nur der Hersteller, gegen den dritten ein Update. Von außen siehst du nicht, welcher Weg es war, deshalb beginnst du beim Konto. Belegte Fälle stehen in den Steckbriefen zu Klingel und Kamera und zu Saug- und Mährobotern.
Was du brauchst
Ein anderes, nicht betroffenes Gerät, etwa das einer Vertrauensperson: Zum Gerätewechsel rät die Verbraucherzentrale, und laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verlieren Täter den Zugang erst, wenn Schadprogramme beseitigt sind. Dazu Zugriff auf Postfach und Telefonnummer deiner Konten und Zeit, um in einem Zug vorzugehen (BSI).
Wenn dir jemand aus deinem Umfeld schadetDigitaler Missbrauch (Tech Abuse) geht laut BSI häufig von Nahestehenden aus, und Änderungen können auffallen: Google Home etwa benachrichtigt, wen du entfernst. Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) rät, mit einer Fachberatungsstelle zu planen und heimlich ein neues Smartphone mit neuen Konten einzurichten. Sichere vorher Belege; bei akuter Gefahr wähle 110.
Beratung bei Bedrohung- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ — Telefon 116 016 · hilfetelefon.de ↗Berät Frauen, die Gewalt erleben, und Menschen aus ihrem Umfeld — am Telefon rund um die Uhr, kostenlos und auf Wunsch anonym, auch in 18 Fremdsprachen und in Gebärdensprache; online auf Deutsch.
- Hilfetelefon Gewalt an Männern — Telefon 0800 1239900 · maennerhilfetelefon.de ↗Berät Männer, die Gewalt erleben, kostenlos und anonym — am Telefon montags bis donnerstags 8 bis 20 Uhr und freitags 8 bis 15 Uhr, dazu im Chat zu festen Zeiten.
- WEISSER RING: Opfer-Telefon — Telefon 116 006 · weisser-ring.de ↗Hilft Opfern von Straftaten bundesweit, kostenfrei und anonym — am Telefon täglich von 7 bis 22 Uhr, außerdem über eine Onlineberatung.
- Aktiv gegen digitale Gewalt · aktiv-gegen-digitale-gewalt.de ↗Seite des bff: Frauen gegen Gewalt e. V. zu digitaler Gewalt, auch zu Ortung, Überwachung und Sicherheitsplanung, mit Suche nach Beratungsstellen in deiner Nähe und einem Notausstieg.
1. Belege sichern, bevor du etwas änderst
Die Polizei bittet, Beweise bis zum ersten Kontakt möglichst unverändert zu lassen, sie per Bildschirmfoto zu sichern und zur Anzeige mitzubringen; laut BSI werden sie sonst beim Zurücksetzen vernichtet. Sichere also vorher die Geräteliste (bei Ring: Control Center › „Autorisierte Clientgeräte“), Freigaben, Sicherheitsmails und Rechnungen, lade Videos herunter und notiere, was wann geschah.
2. Zuerst das E-Mail-Postfach sichern
Über das Postfach laufen Passwort-Rücksetzungen und manche Codes: Arlo nutzt die E-Mail automatisch als Ersatzmethode, eufy schickt Codes standardmäßig per Mail, und per Code angelegte Roborock-Konten haben gar kein Passwort. Wer das Postfach hat, kann andere Passwörter zurücksetzen; BSI und Verbraucherzentrale raten deshalb, dort zu beginnen.
Öffne es über die App oder die selbst eingetippte Adresse, nie über den Link einer Warnmail; vor solchen Mails warnen BSI und Polizei, und auch gefälschte Seiten zeigen meist ein Schloss (warum). Ändere das Passwort, melde andere Geräte ab, lösche fremde Weiterleitungen und Filterregeln und prüfe Telefonnummer und Zweitadresse für die Wiederherstellung, sonst kann sich der Täter das Konto zurückholen. Für Google bündelt das die Hilfe „Gehacktes oder manipuliertes Google-Konto schützen“.
3. Alle Passwörter ändern, alle Geräte abmelden
Gib jedem Dienst ein eigenes Passwort: der Geräte-App, dem Amazon- oder Google-Konto dahinter und dem Router, dessen Zugangsdaten laut BSI auch Dritte ändern können. Ein Passwort-Manager lohnt sich laut BSI in der Regel; verlierst du sein Hauptpasswort, sind im schlimmsten Fall alle Daten darin verloren. Dann meldest du alle anderen Geräte ab (laut Hilfeseiten, Stand Oktober 2026):
- Ring: Ein neues Passwort unter Menü (☰) › „Kontoeinstellungen“ › „Passwort“ meldet dich überall ab außer bei Alexa; „Alle Geräte entfernen“ unter Control Center › „Autorisierte Clientgeräte“ meldet alle Telefone, Tablets und Computer ab.
- Amazon und Alexa: Amazon-App › Personensymbol › „Konto“ › „Login und Sicherheit“ bis „Alles abmelden“ (laut Ring-Hilfe).
4. Geteilte Zugänge und verknüpfte Dienste entfernen
Ein neues Passwort wirft nicht jeden hinaus: Geteilte Nutzer wie frühere Partner oder Mitbewohner haben eigene Zugänge, verknüpfte Dienste wie Alexa bei Ring behalten ihre Erlaubnis. Bei Gebrauchtgeräten prüfst du, ob sie aus dem Konto des Vorbesitzers gelöst sind (so geht das). Bedroht dich jemand, den du entfernen willst, plane das vorher mit einer Beratungsstelle.
5. Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten
Mit der Zwei-Faktor-Anmeldung reicht ein gestohlenes Passwort allein nicht; BSI und Polizei raten dazu, ebenso zu Passkeys, der Anmeldung ohne Passwort. Einen SMS-Code empfängst du laut BSI besser nicht auf dem Gerät, mit dem du dich anmeldest.
6. Updates einspielen, zuletzt zurücksetzen
Updates von App und Gerätesoftware schließen bekannte Lücken im Gerät, gegen ein übernommenes Konto helfen sie nicht. Betroffene Modelle kann die Sicherheitsseite des Herstellers nennen, aber nicht jede Lücke steht dort. Ein Gerät ohne Sicherheitsupdates solltest du laut BSI austauschen, auch wenn das Geld kostet.
Zurücksetzen kommt zuletzt, denn die Geräte hängen am Konto; ein neues Konto mit anderer E-Mail-Adresse nennt Ring als Weg, wenn Bedenken bleiben.
So machst du es rückgängig
Abgemeldete Geräte, die Alexa-Verknüpfung und entfernte Personen richtest du neu ein. Die Zwei-Faktor-Anmeldung bleibt an, mit einer Ersatzmethode, die dir gehört; beim Passkey ohne Sicherung kann ein verlorenes Gerät dich laut BSI aussperren. Einstellungen zurückgesetzter Geräte, gelöschte Konten und nicht gesicherte Videos kommen nicht wieder.
So prüfst du erneut
- Behalte Sicherheitsmails, Geräteliste und Bestellungen in der nächsten Zeit im Blick und warne Kontakte, falls in deinem Namen geschrieben wurde (BSI, Polizei).
- Prüfe deine Adresse auf bekannte Datenlecks, etwa beim Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts; kein Treffer heißt nicht, dass dein Passwort unbekannt ist.
- Die Punkte unten hakst du nach jedem neuen Gerät, nach einer Trennung und einmal im Jahr in der Prüfliste fürs Zuhause ab.
Konto nach dem Vorfall
Die Häkchen werden nicht gespeichert und nicht übertragen. Ausdrucken kannst du die Liste über den Druckdialog deines Browsers. Alle Punkte für alle Geräte: Prüfliste fürs Zuhause.