Lokal & kontrolliert
BEGRIFF

Spähsoftware (Stalkerware)

Eine App, die heimlich auf einem Handy läuft und Nachrichten, Standort oder Fotos an eine andere Person schickt — meist aufgespielt von jemandem, der das entsperrte Gerät einmal in der Hand hatte.

Auch bekannt als: Stalkerware, Spionage-App, Stalking-App

In Ruhe erklärt

Unter Android kommt Spähsoftware meist von außerhalb des Play Store aufs Handy; die Anleitungen der Anbieter raten oft, den eingebauten Schutz Play Protect abzuschalten. Danach verschwindet ihr Symbol, sie läuft unauffällig im Hintergrund und schickt, was sie erfasst, an ein Online-Konto. Manche blockieren Einstellungen oder lassen sich nur mit einem Passwort deinstallieren, das der Täter gesetzt hat. Aus der Ferne installieren lassen sich die meisten nicht, so das Testlabor AV-Comparatives mit der Bürgerrechtsorganisation EFF (2025).

Auf dem iPhone ist Spähsoftware wahrscheinlich deutlich seltener, weil sie dort die Schutzsperren aushebeln muss (Jailbreak); ein Täter kann aber ein so präpariertes iPhone verschenken. Viele Funktionen stecken laut Testlabor auch in Apps zur Elternkontrolle oder Mitarbeiterüberwachung — heimlich auf dem Handy einer erwachsenen Person eingesetzt, dienen sie deren Überwachung. Laut dem Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) sind versteckte Spähprogramme mit großem Funktionsumfang sehr selten; häufiger läuft Überwachung über gestohlene Passwörter, heimliche Cloud-Anmeldungen, Familienfreigaben und Ortungsanhänger.

Schutz-Apps finden Spähsoftware nur zum Teil: Im Test 2025 unter Android 15 erkannten 13 Produkte, darunter Play Protect, zwischen 53 und 100 Prozent von 17 Programmen. Die Warnung erscheint sofort und kann so auch der Person auffallen, die mitliest. Auch die Anbieter selbst sind ein Risiko: Laut einer Zählung der Fachredaktion TechCrunch wurden seit 2017 mindestens 27 von ihnen gehackt oder haben Daten offengelegt, darunter Nachrichten, Fotos und Anruflisten Überwachter (Stand Februar 2026).

In Deutschland ist der Einsatz eines solchen Programms bei einer Nachstellung seit dem 01.10.2021 in der Regel ein besonders schwerer Fall (§ 238 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 StGB). Ob ein Verhalten strafbar ist, klären Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht.

Warum das zählt

Weil viele Betroffene zuerst nach einer Spionage-App suchen, obwohl Konto-Zugänge, Freigaben und Ortungsanhänger häufiger sind — und weil vorschnelles Löschen den Täter warnen und Beweise vernichten kann. Was Anzeichen, Codes und Schutz-Apps taugen und wo es Hilfe gibt, steht in Wird mein Handy überwacht? Was Anzeichen, Codes und Apps taugen.

Was es nicht bedeutet

Die häufigsten Irrtümer — auch auf seriösen Seiten.
  • Ein „Tracker“ im Sinn von Wie Cookies dich über Websites hinweg verfolgen ist ein Werbe- oder Messdienst auf Websites. Spähsoftware sitzt auf dem Handy selbst und liest Nachrichten, Standort oder Fotos mit.
  • Eine HTTPS-Prüfung (aufgebrochene Verschlüsselung) richten ein Virenscanner oder die IT einer Firma ein, um verschlüsselte Verbindungen zu prüfen. Spähsoftware spielt jemand heimlich auf, um eine bestimmte Person zu überwachen.
  • Teure Söldner-Spähsoftware ist etwas anderes: Laut Apple wird sie gegen sehr wenige Menschen eingesetzt, etwa Journalisten, Aktivistinnen, Politiker und Diplomatinnen, und laut Amnesty International teils ohne jedes Zutun der Betroffenen aufgespielt.
  • Ein Tastencode wie *#21# findet keine Spähsoftware; er fragt nur Rufumleitungen beim Netzbetreiber ab.

Quellen

Stand dieses Eintrags: 24. Oktober 2026. Die Einordnung ist eine fachliche Bewertung, keine Rechtsberatung.

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