Lokal & kontrolliert
BEGRIFF

HTTPS-Prüfung (aufgebrochene Verschlüsselung)

Ein Programm auf deinem Gerät oder im Firmennetz öffnet deine verschlüsselten Verbindungen, schaut hinein und verschlüsselt sie für dich neu — mit eigenem Zertifikat statt dem der Website.

Auch bekannt als: HTTPS-Scan, TLS-Interception, SSL-Inspection, HTTPS-Interception

In Ruhe erklärt

Virenscanner mit HTTPS-Prüfung und Sicherheitsgeräte in Firmennetzen wollen auch in verschlüsselte Verbindungen hineinsehen. Dafür stellen sie sich in die Mitte: Gegenüber deinem Browser treten sie als Website auf, gegenüber der Website als Browser. Die eine verschlüsselte Verbindung endet bei ihnen, die andere bauen sie selbst neu auf. Die US-Behörde für Cybersicherheit CISA nennt das beim Namen: ein Angriff in der Mitte der Verbindung (Man-in-the-Middle), hier mit Absicht eingerichtet.

Damit dein Browser dabei nicht warnt, muss auf deinem Gerät ein zusätzliches Stammzertifikat als vertrauenswürdig eingetragen sein: das des Programms oder das deiner Firma. Ein Virenscanner bringt es bei der Installation mit, im Firmennetz richtet es die IT ein. Ohne ein solches Zertifikat kann niemand unterwegs die Verschlüsselung unbemerkt aufbrechen, auch nicht der Betreiber eines WLANs — dein Browser würde warnen.

Für die Website sieht so eine Verbindung anders aus: Die Begrüßung kommt vom Programm, nicht von deinem Browser. Der TLS-Fingerabdruck und der HTTP/2-Fingerabdruck passen dann nicht mehr zur Browserkennung. Genau an diesem Widerspruch maßen Forscher 2017, wie verbreitet das Aufbrechen ist — an den Update-Servern von Firefox, bei großen Onlineshops und im Netz von Cloudflare. Sie fanden es mehr als zehnmal so oft wie zuvor geschätzt.

HexWarte kann das Aufbrechen nicht feststellen, nur einen Widerspruch zeigen. Nennt die Karte zu HTTP/2 in Kammer 1 eine andere Browserfamilie als deine Browserkennung, führt sie eine aufbrechende Software als eine mögliche Erklärung an, neben einer verstellten Kennung. Welche zutrifft, lässt sich von außen nicht entscheiden.

Warum das zählt

Weil es erklärt, warum ein unveränderter Browser plötzlich wie ein anderes Programm aussieht — und weil ein Schutzprogramm hier die Sicherheit senken kann, die es erhöhen soll.

Was es nicht bedeutet

Die häufigsten Irrtümer — auch auf seriösen Seiten.
  • Das Schloss im Browser sagt in diesem Fall wenig über die Website. Geprüft hat dein Browser nur das Zertifikat des Programms. Laut CISA prüfen viele dieser Produkte das echte Zertifikat der Website nicht richtig und reichen Fehler selten an den Browser weiter.
  • Mehr Prüfung heißt hier nicht mehr Sicherheit. Die Studie von 2017 fand, dass fast alle untersuchten Produkte die Verbindung unsicherer machten und viele schwere Lücken öffneten.
  • Nicht jeder Proxy bricht auf. Ein gewöhnlicher Proxy reicht verschlüsselte Verbindungen nur durch und sieht den Inhalt nicht. Aufbrechen setzt das zusätzliche Stammzertifikat auf deinem Gerät voraus.
  • Ein fremder Fingerabdruck beweist kein Aufbrechen. Dasselbe Bild entsteht, wenn jemand die Browserkennung verstellt.