Kurz gesagt
Am stärksten schützen Tor Browser und Mullvad Browser: Sie lassen ihre Nutzer möglichst gleich aussehen — in wenigen großen Gruppen, etwa je Betriebssystem —, samt einer auf feste Stufen gerundeten Fenstergröße. LibreWolf nutzt denselben Grundschutz und meldet viele gleiche Einheitswerte, bildet aber eine eigene, kleinere Menge und rundet das Fenster nicht. Brave macht viele Werte je Website zufällig, Firefox und Safari schützen inzwischen einen Teil für alle, Chrome bringt fast nichts mit. Wichtiger als die Wahl des Browsers ist oft, nichts Verstecktes an ihm zu verstellen: Jede eigene Änderung an Einzelwerten, Erweiterungen oder der Browserkennung macht dich seltener. Die eingebauten Schutzstufen der Hersteller sind davon ausgenommen.
Worum es geht
Ein Browser-Fingerabdruck entsteht aus vielen Einzelwerten, die dein Browser jeder Website auf Nachfrage nennt: Bildschirm und Fenster, Zeitzone und Sprache, Schriften, Grafikeinheit, winzige Unterschiede beim Zeichnen. Keiner davon verrät dich allein. Zusammen ergeben sie oft eine Kombination, die nur wenige teilen — und anders als ein Cookie lässt sie sich nicht löschen.
Wie oft das gelingt, hängt davon ab, wen man misst. In einer Studie mit 8.400 Erwachsenen in den USA war der Fingerabdruck bei rund 60 Prozent einzigartig. Bei gut zwei Millionen Fingerabdrücken von Besuchern einer großen französischen Website waren es 33,6 Prozent. Beides sind echte Messungen; sie zeigen, dass es keine allgemeingültige Zahl gibt.
Drei Wege, sich zu schützen
Ein Browser kann sich nicht dadurch schützen, dass er einfach gar nichts mehr meldet, denn Websites brauchen viele dieser Werte, um richtig dargestellt zu werden. Die Hersteller gehen deshalb drei Wege; mehr dazu unter Fingerabdruckschutz.
- Einheitswerte: Alle Nutzer melden dasselbe, gleich welches Gerät sie haben — etwa immer dieselbe Zeitzone und, je nach Betriebssystem, immer dieselbe Zahl an Prozessorkernen (unter Windows und Linux vier, am Mac acht). So gehen alle in derselben Menge unter.
- Zufallswerte: Der Browser verändert bestimmte Werte leicht, je Website und Sitzung anders. Innerhalb einer Seite bleibt alles gleich, über Websites hinweg lässt sich der Wert nicht mehr zusammenführen.
- Sperren bekannter Skripte: Der Browser führt eine Liste bekannter Fingerprinting-Dienste und bremst deren Skripte. Das hilft gegen die, die auf der Liste stehen, nicht gegen eine Seite, die selbst misst.
Die Bürgerrechtsorganisation EFF bezeichnet die ersten beiden Wege als gangbar, und die Forschung hält fest, dass jeder Schutz selbst eine erkennbare Spur hinterlässt. Eine Website sieht also meist, dass du einen Schutz trägst — sie sieht nur nicht mehr, wer unter allen seinen Nutzern du bist.
Die Browser im Vergleich
Der wichtigste Punkt steht in keiner ZeileJeder dieser Schutzwege wirkt nur, solange du ihn lässt, wie er ist. Wer im Tor Browser Erweiterungen nachinstalliert, eine fremde Browserkennung einstellt oder einzelne Schalter verändert, fällt aus der Menge heraus, in der er untergehen wollte. Das Tor-Projekt rät ausdrücklich davon ab, Erweiterungen nachzuinstallieren, und die EFF warnt davor, einzelne Werte zu verändern.
Ein Beispiel: dieselbe Zeitzone, zwei Bedeutungen
Zwei Besucher melden als Zeitzone „Atlantic/Reykjavik“. Der eine lebt in Island. Für ihn ist die Zeitzone ein persönlicher Wert, und weil nur wenige Menschen in Island leben, grenzt sie ihn stark ein.
Der andere sitzt in Deutschland an einem Windows-Rechner und benutzt LibreWolf. Sein Browser meldet diese Zeitzone, weil der Schutz sie allen seinen Nutzern vorgibt — zusammen mit weiteren Einheitswerten: als Bildschirmgröße die Größe seines Fensters, vier Prozessorkerne und zehn Touchpunkte, auch an einem Rechner ohne Berührungsbildschirm. Für ihn ist die Zeitzone kein persönlicher Wert, sondern eine Uniform, die er mit allen teilt, die denselben Schutz tragen — auch mit den Nutzern von Tor Browser und Mullvad Browser.
Erst die Kombination zeigt, welcher Fall vorliegt. Genau so geht HexWarte vor: Die Seite erkennt einen Schutz nie an einem einzelnen Wert, und ein Wert, den alle mit demselben Schutz gleich melden, steht dort als „Einheitswert“. Beim zweiten Besucher bleibt trotzdem eine Lücke: Ist sein Fenster maximiert, meldet es fast seine echte Bildschirmgröße, weil LibreWolf das Fenster nicht rundet.