Lokal & kontrolliert
BEGRIFF

Tor

Ein Netz aus drei hintereinandergeschalteten Stationen, von denen keine zugleich weiß, wer du bist und wohin du willst.

Auch bekannt als: Tor Browser, Zwiebelnetz, Onion Routing

In Ruhe erklärt

Bei einer gewöhnlichen Verbindung sieht dein Zugangsanbieter, mit wem du sprichst, und die Gegenstelle sieht, wer du bist. Tor zerlegt dieses Wissen auf drei Stationen, die es sich gegenseitig nicht verraten können.

Der Weg heißt Kanal und besteht aus drei freiwillig betriebenen Rechnern. Die erste Station, der Eingangswächter, kennt deine IP-Adresse — aber nicht, wohin du willst. Die mittlere kennt weder das eine noch das andere; sie reicht nur weiter. Die dritte, der Ausgang, spricht mit der Zielseite und kennt dein Ziel — aber nicht dich. Wer allerdings beide Enden zugleich beobachten kann, etwa deinen Anschluss und die Zielseite, kann die Verbindung über Zeitpunkte und Datenmengen zuordnen; davor schützt Tor ausdrücklich nicht.

Technisch geschieht das über geschichtete Verschlüsselung, daher der Name Zwiebel. Dein Browser verschlüsselt jedes Paket dreimal, einmal für jede Station. Jede Station entfernt genau ihre Schicht und sieht dadurch nur die Adresse der nächsten. In die darunterliegenden Schichten kann sie nicht hineinsehen.

Der Kanal wird regelmäßig gewechselt, der Eingangswächter dagegen absichtlich über längere Zeit beibehalten: Ein ständiger Wechsel würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, irgendwann an einen überwachten Eingang zu geraten.

Der Tor Browser tut ein Zweites, das oft übersehen wird: Er vereinheitlicht die Browsermerkmale. Fenstergrößen werden auf Vielfache von 200 mal 100 Pixel gerundet — die grauen Ränder, über die sich Neulinge wundern, sind genau dieser Schutz (Letterboxing). Das gemeldete Betriebssystem wird auf wenige Werte vereinheitlicht; eine freie Wahl lehnt das Projekt ausdrücklich ab, weil jede Wahlmöglichkeit die Nutzer wieder unterscheidbar machen würde.

Über die Grenzen ist das Tor Project ungewöhnlich offen: Alle Instanzen wirklich identisch zu machen sei praktisch unmöglich. Ziel seien wenige unterscheidbare Gruppen, nicht Gleichheit.

Warum das zählt

Tor ist der einzige verbreitete Weg, der beide Probleme zugleich angeht — den Verbindungsweg und die Browsermerkmale. Ein VPN löst nur das erste, ein gehärteter Browser nur das zweite.

Was es nicht bedeutet

Die häufigsten Irrtümer — auch auf seriösen Seiten.
  • Tor ist langsamer, und das liegt am Aufbau, nicht an einem Fehler. Drei Stationen bedeuten drei zusätzliche Wegstrecken, die auch quer über den Erdball laufen können, dazu die Verschlüsselung an jedem Übergang. Das Tor Project nennt als angestrebte Auslastung rund zehn Prozent je Station — dann wäre Tor fast so schnell wie das übrige Netz —, sieht die meisten Stationen aber bei 30 bis 80 Prozent. Für Videotelefonie und große Downloads ist es damit die falsche Wahl; zum Lesen, Recherchieren und Schreiben taugt es gut.
  • Tor schützt nicht mehr, sobald du dich irgendwo anmeldest. Ein Konto verrät, wer du bist, ganz gleich über welchen Weg du hingekommen bist.
  • Tor plus VPN ist nicht doppelt sicher. Das Tor Project rät ausdrücklich davon ab.
  • Einzelne Einstellungen zu verändern macht auffälliger, nicht sicherer — im Tor Browser besonders, weil sein Schutz gerade darauf beruht, dass alle gleich aussehen. Siehe Anonymitätsmenge.
  • Die Fenstergröße ist eines der stärksten Einzelmerkmale. Der Tor Browser rundet sie deshalb auf Stufen; auch ein maximiertes Fenster meldet dort nur eine Stufe. Siehe Fenstergröße.
  • Der Ausgang sieht unverschlüsselten Verkehr. Bei HTTPS bleibt der Inhalt auch für ihn unlesbar, bei unverschlüsselten Seiten nicht. Siehe TLS.