Lokal & kontrolliert
BEGRIFF

WebRTC

Die Technik, mit der Browser ohne Zusatzprogramm telefonieren und Bild übertragen — und die dafür herausfinden muss, unter welchen Adressen dein Gerät erreichbar ist.

Auch bekannt als: Web Real-Time Communication, Videotelefonie im Browser

In Ruhe erklärt

Wenn du im Browser an einer Videokonferenz teilnimmst, läuft Bild und Ton meist nicht über einen Server, sondern möglichst direkt von Gerät zu Gerät. Das ist schneller und entlastet den Anbieter. Die Technik dafür heißt WebRTC und steckt seit über zehn Jahren in allen großen Browsern.

Für eine direkte Verbindung müssen beide Seiten wissen, wie sie einander erreichen. Dein Browser sammelt deshalb Adressen: die in deinem eigenen Netz, und — über einen Hilfsserver, siehe STUN — die, unter der dein Anschluss von außen sichtbar ist. Diese Liste übergibt er der Website, die sie an die Gegenseite weiterreichen soll.

Das Entscheidende: Für dieses Sammeln braucht eine Website weder Kamera noch Mikrofon, und du bekommst keinen Dialog zu sehen. Jede Seite kann es im Hintergrund auslösen, auch wenn sie mit Telefonie nichts zu tun hat. Genau deshalb ist WebRTC ein Thema für diese Plattform.

Die Browserhersteller haben darauf reagiert. Adressen aus dem eigenen Netz werden heute durch Zufallsnamen ersetzt, siehe mDNS-Kandidat, und RFC 8828 legt fest, welche Wege ein Browser ohne deine Zustimmung benutzen darf. Was bleibt, ist der Fall, in dem WebRTC einen anderen Weg nimmt als der Seitenabruf — siehe WebRTC-Leck.

Warum das zählt

Weil WebRTC der einzige verbreitete Weg ist, auf dem ein Browser von sich aus Netzadressen nennt, statt sie nur zu benutzen. Wer versteht, warum er das tut, kann einschätzen, wann es ein Problem ist und wann nicht.

Was es nicht bedeutet

Die häufigsten Irrtümer — auch auf seriösen Seiten.
  • WebRTC ist keine Sicherheitslücke und kein Fehler. Es tut, wofür es gebaut wurde; problematisch wird es nur für Menschen, die ihre Adresse verbergen wollen.
  • Das Sammeln von Adressen ist nicht dasselbe wie ein Zugriff auf Kamera oder Mikrofon. Der bleibt an deine ausdrückliche Freigabe gebunden.
  • WebRTC abzuschalten macht dich nicht unsichtbar. Deine Adresse kennt jede Website ohnehin, siehe IP-Adresse — abgeschaltet wird nur der zweite Weg.